Unsere Welt ist geprägt durch Naturwissenschaft und Technik. Bildung in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) ist eine notwendige Voraussetzung, um die moderne Welt zu verstehen, in ihr zu bestehen, und Herausforderungen der Menschheit durch Innovationen in diesen Feldern lösen zu können. Vor dem Hintergrund einer wachsenden Technologisierung nahezu aller Lebensbereiche liegt darin auch ein wesentlicher Schlüssel zur gesellschaftlichen Teilhabe und zur verantwortlichen Mitgestaltung unserer Zukunft.

Redaktion DL4KAL

Donnerstag, 9. Juni 2016

Notfallkommunikation – der vergessene Notfunker

In den letzten Jahren werden von den Funkamateuren vielfältige Anstrengungen unternommen, Notfallkommunikation mit Mitteln des Amateurfunks zu etablieren. Der Schwerpunkte der meisten Aktivitäten und Veröffentlichungen liegt bei der technischen Realisierung. Hier werden Antennen, Geräte und Stromversorgungen beschrieben. Aber  wie muss der Notfunker geartet sein und welche Voraussetzungen benötigt er, um die Technik erfolgreich bedienen zu können?

Der Notfunker sollte physisch und psychisch belastbar sein. In einer Katastrophenlage wird er widrigen Einsatzbedingungen unterworfen sein. Neben Nässe und Kälte muss er vielleicht wegen zerstörter Infrastruktur an schwer zugänglichen Orten eine Antenne errichten oder seinen Betriebsraum einrichten. Er muss seine Tätigkeit über Stunden zu widrigen Tageszeiten ausführen können. Dabei wird er vielleicht mit einer ungesunden Umwelt konfrontiert. Als  Helfer kommt er wohlmöglich in Kontakt mit unterschiedlich Verwundeten und traumatisierten Menschen. Trotz dieser Widrigkeiten muss er seine Tätigkeit über lange Zeit fehlerfrei durchführen können, da an den von ihm übermittelten Informationen Menschenleben hängen können. Ein jeder, der sich für Notfallkommunikation interessiert, möge sich fragen ob er dazu bereit und vor allem in der Lage ist.

Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, um den Notfunker arbeitsfähig zu machen? Oft wird nur an die nachrichtentechnische Ausstattung und nicht an den Menschen gedacht. Sowohl der Arbeits- als auch Ruheraum müssen so angenehm gestaltet sein, wie die Lage es erlaubt. Allein wegen der technischen Ausstattung sollte die Umgebung möglichst trocken sein. Für einen mehrstündigen Funkbetrieb müssen die Räumlichkeiten in den widrigen Jahreszeiten heizbar sein. Ein Ruheraum dicht am Funkraum gestattet auch mal eine kürzere Pause. Daneben sind für mehrstündigen Betrieb Sanitäreinrichtungen erforderlich. Schließlich muss der Notfunker mit genügendem Proviant und je nach Lage mit eigener Schutzausrüstung ausgestattet sein.

In Notfunkübungen wird häufig nur der Betrieb der Technik und allenfalls eine sichere Kommunikation geübt. Darüber hinaus sollte der Notfunker auch zum Eigenschutz über eine Ersthelferausbildung verfügen um kleinere Verletzungen behandeln zu können. Er sollte auch die Funktion und die Anwendung z.B. einer ABC-Schutzmaske kennen. Man denke immer daran, dass der Einsatz des Amateurfunks bei einem Ernstfall geschehen wird zu dem die eigenen Ressourcen der Behörden und Hilfsorganisationen knapp sind. Daneben müssen der Aufbau und die Organisation der Notfunkstelle mit Zelt, Heizung, Pritsche und Toilette bekannt sein.

Neben dem oben aufgeführtem sind die Freistellung am Arbeitsplatz, die Lohnfortzahlung und die versicherungsrechtlichen Fragen zu klären. Darüber ist in den vergangenen Berichten wenig bis gar nichts zu lesen.

Um dem Notfunker die erforderlichen Rahmenbedingungen zu schaffen und ihn in den Stand zu versetzen, bei einer Katastrophenlage eigenständig zur Bewältigung beizutragen, ihn nicht selbst zum vermeintlichen Opfer zu machen, ist es erforderlich die Vorbereitungen in enger Zusammenarbeit mit den etablierten  Hilfsorganisationen zu machen. Optimaler Weise wird der Amateurfunk integraler Bestandteil dieser Hilfsorganisationen und baut auf deren Organisation, Kenntnissen und Erfahrungen auf.